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2012/07/30

TEXT | Die Frau und der Alte

Hallo Leute,
Neulich habe ich an mienem Computer eine kurze Geschichte gefunden, die ich vor einem Jahr geschrieben habe. Ich hoffe sie bereitet euch Freude:)


Die Frau und der Alte

Die Menschenmenge um den Alten war fast undurchdringlich. Sie alle standen um ihn und die Frau herum, um der alten gebrochenen Stimme des Alten zu lauschen.
Die Frau war auf einmal in die Kneipe gestürmt. "Ich muss zum Alten!", hatte sie gerufen. Sie hatten sie zu ihm geführt. Niemand aus dem Dorf wusste wie der vom Wetter gegerbte Mann hieß, dessen Gesicht von Furchen durchzogen war. Sie alle nannten ihn nur "den Alten".
"Ich brauche deine Hilfe!", hatte die Frau gesagt. So wie es Viele zu ihm sagten, jeden Tag. Denn viele Leute aus dem Dorf fragten den Alten um Rat. Und er wusste immer eine Antwort.
"Sag mir, was muss ich tun um reich zu werden?", hatte die Frau ihre Frage gestellt. Der Alte hatte einen Stuhl zurück geschoben "Ganz ruhig. Setz dich erst einmal hin.", hatte er lächelnd gemeint.
"Nein!", war die abrupte Antwort der Frau gewesen, "Denn wenn ich mich hin setzte ruhe ich aus, und ich muss doch arbeiten um etwas zu erreichen."
Der Alte hatte sie lange nachdenklich angeschaut, dann hatte er angefangen zu erzählen:
"Als ich ein kleiner Junge war, habe ich auch so gedacht. Reich wollte ich werden, und berühmt. Es zu etwas bringen im Leben. Ich arbeitete hart und als ich älter wurde versuchte ich sogar zu singen. Es klang schrecklich... Doch ich tat alles um reich oder berühmt zu werden. Alles... Ich lernte Leute kennen, die ähnlich dachten wie ich. Wir hatten es auf allen uns möglichen legalen Wegen versucht, und daher beschlossen wir unser Glück auf illegalen Wegen zu versuchen. Einer meiner Freunde kannte ein paar Kleinkriminelle, die uns anstellten. so machten wir immer mal wieder einen Taschendiebstahl, einen kleinen Überfall, eine Übergabe...
Eines Tages hatten mein Freund und ich etwas Größeres vor. Wir sollten mit drei - uns unbekannten - Männern einen Laden ausrauben. Alles lief gut, bis wir Sirenen hörten: die Polizei! Wir hetzten aus dem Geschäft, die Polizei dicht an unseren Fersen. Wir rannten eine Seitengasse entlang als mein Freund von einer Kugel getroffen wurde und zusammen brach. "Helf mir!", konnte ich auf seinen Lippen lesen.
Ich war ein kräftiger Bursche, gut gebaut, und unser Unterschlupf war nicht allzu weit entfernt. Wenn ich ihn hochgenommen und getragen hätte, hätten wir es schaffen können. Und dennoch: Etwas in mir hielt mich zurück. Die vielen Jahre als Dieb, Betrüger und Aufschneider hatten meine Gefühle erkalten lassen. Ich hatte sie zurück gedrängt, in den hintersten Winkel meines Herzens. Dafür spürte ich etwas anderes in mir: Gier. Statt meinem Freund nahm ich seinen Geldsack hoch und rannte los. Ihn ließ ich liegen. Als ich um die Ecke biegen wollte kam mir ein Polizist entgegen. Von hinten sah ich seine Kollegen kommen. 'Jetzt ist es wohl aus...', dachte ich und machte mich bereit für einen lagen Aufenthalt im Gefängnis.
Doch mein Freund der blutend auf dem Boden lag, zog die Aufmerksamkeit auf sich. Er winkte, schrie und bewarf den Polizisten mit Steinen. Er rettete mir das Leben. Doch seines war wegen meiner Geldgier beendet worden. Einen Tag später starb er an seinen Verletzungen.
An diesem Tag ist mir klar geworden, dass es im Leben nicht nur um Geld geht. Es geht um mehr. Denn man kann noch so viel Geld haben: Nur mit wahren Freunden ist man glücklich."
Die Frau war einen Moment still. Dann schob sie den Stuhl zurück und setzte sich hin. Denn um etwas zu erreichen im Leben, braucht man vor allem eins: Freunde.

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